Urbane Realitäten

Die Stadt und ihre spezifischen Plätze und Strukturen dienen im Video nicht nur als „selbstverständlicher Ort des filmischen Geschehens“[1]. Der Film ist seit jeher ein Ausdrucksmittel des modernen Lebens und bildet als solches den Lebensraum des modernen Menschen ab: die Stadt in ihren verschiedenen Facetten der Metropole wie auch der Peripherie. Eine Fokussierung auf die Stadt als „bewußt inszenierter Mitakteur“[2], wie sie in einer Reihe von Spielfilmen eingesetzt wird, zeigt sich auch in Meggie Schneiders „Module 002 / Restraum“. Aus einer Beobachterposition heraus wird in mehreren 'bewegten Standbildern' ein bekannter Platz in der deutschen Metropole Berlin untersucht - die Kommunikation von urbanen, städtebaulichen Elementen und Mensch stehen dabei im Mittelpunkt.

Häufiger dient die Stadt jedoch als Projektionsfläche, die einen die Stimmung oder Aussage verstärkenden Handlungs- oder Emotionsraum bildet.[3] So geleitet Ruth Kaaserer die Akteure ihrer Arbeit „balance“ durch einen nicht näher zu identifizierenden urbanen Raum, der durch das vertraute Gespräch der jungen Frauen an Authentizität gewinnt.

Eine besondere Behandlung von Stadtbildern und -ansichten zeigen essayistische Arbeiten[4] wie die von Jem Cohen und Bill Seaman, in denen sie die Aussagen einer zumeist aus dem Off kommenden und rezitierenden Stimme verbildlichen.

Corine Stübi und Jan Verbeek haben sich als Schauplätze spezifische städtische Räume ausgesucht, die nur angedeutet werden müssen, um das Filmbild mit Bildern vom inneren Auge und mit eigenen Seherfahrungen zu ergänzen. Auf dieses Bildgedächtnis referiert ebenso Jakub Nepraš in seiner filmischen Bildcollage „Trip“, wenn er Häuser aus Industrie- und Technikschrott vorbeiziehen lässt.

Die Bandbreite der Darstellung und Einbindung von urbanen Realitäten ist somit weit gefächert: von der reinen Kulisse über eine mit Attributen und Assoziationen beladene Folie zum Handlungsträger des Geschehens.

Johanna Hoberg

[1]      Knut Hickethier: Filmische Großstadterfahrung im neueren deutschen Film, In: Irmbert Schenk (Hg.): Dschungel Großstadt. Kino und Modernisierung, Marburg 1999, S. 186-200, S. 186.

[2]      Guntram Vogt: Die Stadt im Kino. Deutsche Spielfilme 1900-2000. Marburg 2001, S. 27.

[3]      „Stadt ist einfach häufig 'da', ist Hintergrund und Folie für den Plot. Sie gibt den Figuren Raum, setzt Signets für das Agieren der Handelnden, stiftet Bilder für Stimmungen, Gefühle, Befindlichkeiten.“ (Hickethier 1999, 186f.)

[4]      Vgl. Paul Young, Paul Duncan (Hg.): Art Cinema, Hong Kong 2009.

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