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Maryam Tafakory [Videonale.17]

* 1987 in Shiraz, IRN, lebt und arbeitet in London, GBR
studierte an der Oxford University, Oxford, GBR

 

Maryam Tafakory x

زخم (Absent Wound), 2018, 10:00 Min., Farbe, Ton [Videonale.17]

Absent Wound ist die visuelle Stimme einer Frau, die sich dagegen wehrt, als Frau ausgegrenzt, diskriminiert oder in ihrer Bestimmung festgelegt zu werden. Die Aufnahmen stammen aus einem Zoorkhuneh, einem iranischen Krafttrainingsraum, und dem angegliederten Gemeinschaftsbad – Örtlichkeiten, die für Frauen im Iran traditionell nicht zugänglich sind. Überlagert sind diese Bilder mit narrativen Texten in englischer und persischer Sprache, teilweise durchgestrichen, als wolle die Frau das Geäußerte wieder zurücknehmen oder nicht gelten lassen. Ein weibliches Flüstern und Umgebungsgeräusche wie Trommeln oder fließendes Wasser bilden die Tonebene.
Zoorkhunehs gehören zur iranischen Kultur, und die dort vollzogenen Rituale, eine Mischung aus Kampfsport und Tanz, zählen zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Im Streben um Gleichberechtigung werden sie aber auch immer wieder als Sinnbilder einer männerbestimmten Gesellschaft herangezogen, etwa von der Sängerin Maryam Akhondy oder der Videokünstlerin Anahita Razmi.
Maryam Tafakory setzt in Absent Wound dem bunten Treiben der Männer im Zoorkhuneh das intime, fast einsame Dasein einer jungen Frau in dem Bad entgegen, das in seinem armseligen Zustand äußerlich sehr hinter dem schmucken Trainingssaal abfällt. In der Inszenierung der Bilder und den Arrangements einzelner Gegenstände schafft es Tafakory dennoch, dem Raum einen ästhetischen Wert zu verleihen. Die Frau bleibt anonym, Kameraausschnitt oder rudimentäre Türen verdecken Körper und Gesicht, nur ihre Hände und nackten Füße sind sichtbar. Verstörend kommt hinzu, dass zwischen ihren Füßen Blut tropft, Schüsseln mit Blut auftauchen, blutige Tücher herumliegen – »I am not ill, nor wounded by spear« lautet der Text dazu. Hier wechselt die Erzählebene von der Beschreibung der äußeren Umgebung hin zu einer innerlichen Befindlichkeit, einer Wut, einem Widerstand, der in dem Frauwerden und dem Frausein begründet liegt: »impure, sinful, fragile, vulnerable – a woman«. Die monatliche Erinnerung daran, was die Bestimmung einer Frau angeblich ist, nährt die tiefe Ablehnung gegen die Ansicht, der weibliche Körper diene nur der Reproduktion. Unter Verwendung von kulturhistorischen Untersuchungen zum Thema Menstruation, wie aus Simone de Beauvoirs’ Das andere Geschlecht, wird die Revolte gegen diese Tradition unterstützt. Diese Wunde, wann wird sie sich schließen?

Elisabeth Wynhoff

Maryam Tafakory [ Videonale.17 ]