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Shelly Silver [Videonale.4, 5, 10]

*1957, in New York USA, lebt in New York USA
Studium am Whitney Museum of American Art (Independent Study Program), New York USA und an der Cornell University, New York USA

Ausstellungen [Auswahl]:

2012 ΕΜST at the Roof Train, National Museum of Contemporary Art, Athen GRE
2011 Here, his 這裡, 他的, Argos, Brüssel NED [S]
  In spite of me, Skive Ny Kunstmuseum, Skive DEN Entertainment, The Greene Naftali Gallery, New York USA
  Former East/Former West, Exile, Berlin GER [S]
  Shelly Silver. 37 Stories About Leaving Home, Argos, Brüssel NED [S]
  BACKSTOP, Galerie oqbo \\ Raum für Bild Wort Ton \\ , Berlin GER
2007 12è Biennale de l’Image en Mouvement, Genf SUI

Filmografie [Auswahl]

2013 TOUCH
2009 5 Lessons and 9 Questions About Chinatown
2008 in complete world
2004 What I'm Looking For
 

Shelly Silver [Videonale.4] x

We, 1990, 4:00, s/w + Farbe, Ton [Videonale.4]

Auch wenn uns der Text anderes lehren möchte, ist es unmöglich die zwei Bilder von We nicht zu deuten - dies entspricht ihrem symbolischen Charakter, ihrer Zweideutigkeit. In einem Assoziationsfluss wird die rhythmische Bewegung der Menschen in der linken Bildhälfte zu einer Ejakulation während die rhythmisch bewegende Hand in der rechten Bildhälfte Loslassen und Ichbezogenheit markiert. Gleichzeitig sagen wir uns vielleicht, „Ja, es ist nur eine anonyme Masse von Menschen. Es ist nur ein Penis.“ Aber auch wenn wir versuchen unseren Drang nach Interpretation zu unterdrücken, macht uns die Symbolsprache, die durch diese einfache Gegenüberstellung entsteht, wahnsinnig und lässt uns fragen: Wer ist er? Warum ist er allein? Hat er eine Geliebte oder einen Geliebten? Masturbiert jeder in dieser Menschenmenge? Versuchen sie sich von der Masse zu entfernen? Sind sie sich der Anderen bewusst? Stehen sie in weniger bevölkerten Situationen zueinander in Beziehung? Warum wurde dieses private Bild öffentlich gemacht? Warum ist dieses Bild privat? ...

Chris Straayer, Deviant Eyes, Deviant Bodies, Sexual Orientation in Film and Video, Columbia University Press, 1996 [Übersetzung: Videonale e.V.]

 

Shelly Silver [Videonale.5] x

The Houses that are left, 1991, 52:00 Min., s/w und Farbe, Ton [Videonale.5]

Silver ist eine der herausragensten Persönlichkeiten der jüngeren Generation von US-amerikanischen Videomachern, die mit einer Serie bekannt wurde, die das visuelle und formale Experiementieren mit einem provokanten Erzählschlag verbindet. The Houses that are left gilt als ihr bisher ehrgeizigstes Projekt und stellt gleichzeitig eines der faszinierendsten Viedeoarbeiten dar, die in den letzten Jahren in den USA entstanden sind. Wie eine postmoderne Kriminalgeschichte konstruiert (die alles alles von Mord bis Marktforschung, von Sexualität bis zum Übernatürlichen beinhaltet), entwirft sie ein sich stets änderndes Erzählgefüge, in dem nicht nur die Charaktere sondern auch der Betrachter ständig herausfinden muss, was Fiktion und was Wahrheit ist..., um schlussendlich bei der gewaltigen und tiefe Einblicke gewährenden Zergliederung des modernen Amerika anzugelangen: ängstlich, narzisstisch, manipuliert von den medialen Bildern.

Steven Bode, London Film Festival [Übersetzung: Videonale e.V.]

 

Shelly Silver [Videonale.10] x

What I'm looking For, 2004, 15:00 Min., Farbe, Ton [Videonale.10]

Sehnsucht, Zeit und Kontrolle sind die drei Themenbereiche, die Shelly Silver als Hintergrund für ihre Arbeit What I'm Looking For anführt. Alle drei Themen kristallisieren sich für die Künstlerin in dem Moment und dem Akt des Fotografierens: So beschäftigt sich die Arbeit mit der Sehnsucht des Fotografierenden und der des Fotografierten; sie thematisiert das Foto als Konservierung der Zeit und Manifestation ihrer Vergänglichkeit; und sie verdeutlicht das Wechselspiel von Kontrolle und Abhängigkeit vor und hinter der Kamera. In Anlehnung an diese drei Leitthemen ändern sich auch die Antworten, mit denen die Künstlerin bildlich und verbal auf den Titel ihrer Arbeit reagiert. Und schließlich ist What I'm Looking For auch die Betitelung einer Rubrik, die Silver in einer Internet-Kontaktbörse auszufüllen hat. Sie benutzt diese, um Modelle zu finden und antwortet wie folgt: „Ich suche nach Menschen, die gerne in der Öffentlichkeit fotografiert werden möchten, um dort etwas von sich zu enthüllen (körperlich oder sonst wie).“ Diese Einladung zum physischen oder psychischen Exhibitionismus unterstreicht letztlich nicht Silvers Suche nach dem Fehlenden, sondern untermauert ihre Vermutung des unvermeidlich Fehlenden, des nicht in Bilder zu Fassenden.

Dorothée Brill

Shelly Silver [ Videonale.4, 5, 10 ]