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Stefan Panhans [Videonale.10, 16]

*1967 in Hattingen GER, lebt und arbeitet in Hamburg, Berlin GER und anderen Orten
Studium an der Merz Akademie, Stuttgart GER und an der Hochschule für Bildenden Künste Hamburg GER

Ausstellungen [Auswahl]:

2016 Face to Face, West, Den Haag NED
2015 #22 Bremer Videokunst Förderpreis, Städtische Galerie Bremen GER [S]
2014 Too Much Change Is not Enough, Haus am Waldsee, Berlin GER [S]
         Marler Videokunstpreis - Ausstellung, Skulpturenmuseum Glaskasten Marl GER
2012 Stefan Panhans "SORRY" Galerie Conradi, Hamburg, GER  [S]
2011 Schon wieder und nochmal? Handlungsspielräume KUNSTVEREIN MEDIENTURM Graz, AUT
2010 Gefangenes Zimmer II, Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg (mit Andrea Winkler) GER [S]

 

Stefan Panhans [Videonale.10] x

Pool, 2004, 7:00 min, Farbe, Ton [Videonale.10]

"Also hör mal, wir haben da so eine Produktion laufen, dazu brauchen wir Leute, die sich etwas trauen, die zu sich selbst stehen. Echte Charaktere, ganz eigene, selbstbewusste junge Leute. Du müsstest einfach nur Du selbst sein, aber eben super, verstehst du? Be yourself but at its top! ... "

Die vollständig statische Einstellung der Kamera ist auf eine junge Frau gerichtet, die im Inneren ihres parkenden Kleinwagens sitzt. Dieser Fokus hat den Effekt, als befände man sich mit ihr im Wagen und lausche ihrer von Vogelgezwitscher untermalten Stimme, welche die Szenerie unwirklich erscheinen lässt. Schnell wird klar, dass man nicht ihr Gesprächspartner ist, sondern eine Art Voyeur, der die Protagonistin in einer privaten Minute beobachtet. Ihr Blick ist nach Innen gerichtet, bleibt von der Kameralinse abgewandt. Obwohl ihr Monolog die Ansprache "Du" enthält, scheint er die Rekapitulation eines eben erlebten Castings zu sein. Durch die Einseitigkeit der Erzählung wird die Frau zur Schauspielerin, und der Inhalt führt die bizarren Regeln dieses Metiers ohne Pathos vor. So wird auch der Titel Pool zu einer Anspielung auf den "Casting Pool" - einen Topf von Talenten, aus dem man sich nur bedienen muss.

Nadia Ismail

 

Stefan Panhans [Videonale.16] x

Freeroam À Rebours, Mod#I.1, 2016, 16:13 [Ausschnitt: 3:30] Min., Farbe, Ton [Videonale.16]

Stefan Panhans’ Freeroam À Rebours, Mod#I.1 nimmt Formen des Ungenügens im Verhalten menschengesteuerter Avatare in Computerspielen zu seinem Ausgangspunkt. Diese ›Fehlerszenarien‹ werden rückübersetzt in die realen Körper seiner Performer*innen und mit filmischen Mitteln reinszeniert. Übersprungshandlungen, Leerlaufmodi, scheiternde Wiederholungen von Handlungsversuchen, die unperfekte Menschenähnlichkeit von Bewegungen und Gesten und weiteres ›Fehlverhalten‹ von Avataren im Spiel werden innerhalb einer durch Funktionalisierungs-, Ökonomisierungs- und (Selbst-)Optimierungsansprüche geprägten Gesellschaft üblicherweise eher als ineffizientes Unvermögen verstanden. An der Schnittstelle zwischen experimentellem Film, Videoclip, Performance und zeitgenössischen Tanzformen arbeitet Panhans’ Film aber genau mit solchen ›Fehlern‹. Er zeigt Tänzer*innen und Schauspieler*innen, welche Fehler in den algorithmischen Bewegungsmustern von Avataren, die durch gelegentliche Unsicherheit und Unkonzentriertheit der die Avatare steuernden realen Personen vor ihren Bildschirmen ausgelösten wurden, analysiert und einstudiert haben. Diese ›führen‹ sie an Inszenierungsorten und in Szenographien ›wieder auf‹, die Computerspielen entlehnt sind und Sequenzen dieser Spiele integrieren. Durch die Kameratechnik, deren Bewegungsparadigmen sich ebenfalls an die der ›Kamera‹ in Computerspielen anlehnen, interagieren dabei die Performer*innen mit der Umgebung und mit den in die Choreographie eingefügten Bewegungen der Kameraleute. Die digital eigens für den Film komponierte elektronische Musik, die ebenso Ähnlichkeiten zu Videospielsoundtracks aufweist, rhythmisiert zusammen mit der speziellen Montage-Schnittechnik diese einnehmende Choreographie des Unvermögens. Panhans’ Film äußert damit für die momentane Situation unserer Gesellschaftsverfasstheit eine künstlerische Form eines performativen Widerstands ›à rebours‹, gegen den angestrebten Funktionalismus.  

Anne Greb

Die vollständige Arbeit kann beim Künstler angefragt werden.

Stefan Panhans [ Videonale.10, 16 ]