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Nadja Verena Marcin [Videonale.10, 11]

* in Würzburg GER, lebt und arbeitet in Nordrhein-Westfalen GER und New York USA
Studium am ISCP - Int. Studies and Curatorial Program, New York USA, Columbia University, New York USA und an der Kunstakademie Münster GER

 

Ausstellungen [Auswahl]:

 

2012 From the rural to the brutal, Kunstverein Dortmund, ORANGERIE Schloss Rheda und Werkstatt
         Bleichhäuschen GER [S]
         //KIDS//, ZKM Karlsruhe GER

2011 The-Solo-Project, Jens Fehring Gallery, Basel SUI [S]
         1st Photospectrum 2011: German Photography Now - Emotion, Drama and Narration in the stylistic variety,
         Jinsun Gallery, Seoul KOR
         Live and let die, Nuture Art, Brooklyn USA
2010 'Qui Vive?' 2nd Moscow International Biennale for Young Art, Moscow Museum of Modern Art RUS

2008 Loss of hearing, g727 Gallery, Los Angeles USA [S]
         Mediations Biennale, National Museum, Poznan POL

 

http://www.nadjamarcin.de

 

Nadja Verena Marcin [Videonale.11] x

Die Jogginggehenmusemassnahme, 2006, 15:15 min, Ton, Farbe [Videonale.11]

Die Jogginggehenmusemassnahme eröffnet mit Kameraschwenks über den Hafen von Genf. Der Blick streift über Szenen alltäglicher Betriebsamkeit, die allerdings in der Aufhebung ihrer Linearität, im rewind kurzer Sequenzen, erste Irritationen und mithin Ablösungen von vertrauten Wahrnehmungsmustern erfahren. Ablösungen, wie sie auch für die Narrationsstruktur dieser Arbeit, die sich in der Folge auf eine junge Joggerin konzentriert, prägend sind. Dieser Frau - Marcin selbst - folgt der Betrachter auf ihrem Weg, der sie vom Hafen in einen Park, "das Labyrinth des Gedächtnis und der kulturellen Strukturen", führt. Ebendort, gleichsam im Widerstreit zur diskursiven Etikettierung, spaltet sich eine vorrangig körperlich erotisch orientierte Fantasiewelt ab, stimuliert durch die Schönheit des Tages und den - explizit formulierten - Versuch, der rationalen Domestizierung von Natur diese Natur selbst entgegenzusetzen. Was die Frau auf ihrem weiteren Weg durch die Stadt und in die Nacht hinein immer tiefer in einen assoziativen Fluss von Gedanken und Fantasien führt. Marcins Arbeit artikuliert den Aufbruch und den Freilauf grundlegender Bedürfnisse des Menschen. Diese vermögen sich, evoziert durch den Rhythmus des Lebens selbst, der wiederum im Laufen und im Pulsieren des Blutes - zugleich Impulsgeber des Eros - angeregt wird, aus der Hyperzivilisierung der Welt abzulösen und eine zumindest temporäre Glückseligkeit des Ich hervorzurufen. 

Wolfgang A. Döllerer

 

Nadja Verena Marcin [Videonale.10] x

Sissi, 2005, 0:30 min, Ton, Farbe [Videonale.10]

In der Mitte des Videobildes ist eine junge, dunkelhaarige Frau zu sehen, die auf einer schmalen Stange sitzt. Die Protagonistin ist barfuß und mit einem gelben Top und hellbeigen Rock bekleidet. Wo sie sich befindet, bleibt ebenso unklar wie die Frage, von woher die Stange kommt und wohin sie fährt. Die Frau wirkt seltsam isoliert vor dem dunklen Hintergrund, der sich an ihren Körper schmiegt und sie klaustrophobisch umfängt. Ein Gefühl der Enge schleicht sich ein. Das Schwarz bedrängt die Frau in ihrer exponierten Stellung und steht im Gegensatz zu den warmen Farbtönen ihrer Kleidung. Der leere, unzufrieden wirkende Gesichtsausdruck der Frau verstärkt den Eindruck von Isolation und Einsamkeit. Unvermittelt öffnet die Frau ihren Mund, doch anders als erwartet, ertönt anstelle einer menschlichen Stimme nur ein kurzes, melodisches Tirilieren. Die akustische Ebene und der Titel Sissi ebnen schließlich den Weg zum Verständnis des Gesehenen: In Marcins Videoarbeit verschmilzt die Frau als dekoratives Objekt mit dem unterhaltsamen Singvogel im Käfig. Das gelbe Top wird zum Federkleid. Ihr Zwitschern wirkt verblüffend, amüsant, erschreckend und surreal. Sissi im imaginären Käfig hinterlässt ein banges Gefühl der Belustigung.

Nadja Ismail

Nadja Verena Marcin