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Melanie Manchot [Videonale.13, 14]

*1966, in Witten GER, lebt und arbeitet in London GBR
Studium an der New York University USA, City University London GBR und Royal College of Art, London GBR

 

Ausstellungen [Auswahl]:

 

2012  Situations, MAC/VAL Musee d’art contemporain, Paris FRA

2011  Videonale, Kunstmuseum Bonn GER
         Leap after The Great Ecstasy, Galerie m, Bochum GER [S]
         Wunder, Museum Deichtorhallen, Hamburg GER
         Sex Drive, Cantor Fitzgerald Gallery, Haverford, PA USA
         Dance (All Night, Paris), Nuit Blanche, Paris FRA [S]

2010  Celebration (Cyprus Street), The Whitechapel Gallery, London GBR [S]

2009  Insomniac Promenades, Sleeping/Dreaming in contemporary art, Passage de Retz, Paris FRA and Petach-
         Tikva Museum ISR

2008  May happiness knock you over, Brighton Museum GBR [S]

www.melaniemanchot.net

 

Melanie Manchot [Videonale.13] x

Celebration (Cyprus Street), 2010, 10:20 min [5 min-Auszug], Ton, Farbe [Videonale.13]

 

„Celebration (Cyprus Street)“ ist die Fortsetzung und zugleich der Höhepunkt einer Serie von Arbeiten, in denen sich Melanie Manchot mit den Zeugnissen historischer Gruppenporträtfotografie auseinandersetzt. Das Gruppenporträt diente in Malerei und Fotografie jahrhundertelang der Darstellung von gesellschaftlichen Beziehungsgeflechten, wobei das jeweils abgebildete urbane Umfeld entscheidend die Kontextualisierung des Gezeigten bestimmte. Dieses Prinzip greift Manchot in „Celebration“ auf. Während die Kamera fast beiläufig das bunte Treiben des Straßenfestes, das Manchot gemeinsam mit den Bewohnern organisiert hat, einfängt, hat der Betrachter Zeit, sich ein Bild von den Bewohnern der Straße zu machen. Die Häuser bleiben bei diesem Treiben Fassade und sind doch zugleich der über Jahrzehnte bestehende Hintergrund für diejenigen, die sich in und vor ihnen bewegen und der Straße ihre eigentliche Identität verleihen. Der Blick in den Mikrokosmos dieser Straße kulminiert schließlich in einem Gruppenporträt, für das sich die Bewohner nach und nach auf der Mitte der Straße versammeln, die Gesichter zur Kamera erhoben. So verharren sie einige Zeit in plötzlicher Ruhe und überlassen es der Kamera, sie – für diesen kurzen Moment des Porträts zum Kollektiv verbunden – als Dokument ihrer Zeit in ihrer Straße festzuhalten. 

 

Tasja Langenbach

 

Celebration (Cyprus Street) is commissioned by Film and Video Umbrella and funded by Film London (Digital Archive Film Fund) and Arts Council England.

 

Melanie Manchot [Videonale.14] x

Leap after The Great Ecstasy, 2011, 20:03 (5:50) Min, Farbe, Ton [Videonale.14]

Kaum eine Sportart scheint der perfekten Illusion für einen kurzen Moment so nahezukommen wie der Skiflug. Alljährlich wiederkehrende Fernsehbilder präsentieren scheinbar schwerelos in der Luft gleitende Sportler, jubelnde Zuschauer und euphorisierte Reporter. Auch die britische Künstlerin Melanie Manchot widmet sich den Bildern jener Sportevents. Inspiriert von Werner Herzogs Dokumentation „Die Ekstase des Bildschnitzers Steiner“ (1974) rückt sie indessen das Spektakel in ein anderes Licht. Eine nächtliche Alpenlandschaft inmitten der Schweizer Berge, die verschneite, unberührte Schanze, monoton arbeitende Schneemaschinen im gleisenden Scheinwerferlicht verleihen dem Austragungsort den Anschein einer pittoresken Szenerie, in der die Ekstase des Wettkampfes noch nicht spürbar ist. In den parallel gezeigten Sequenzen der Zwei-Kanal-Videoarbeit dekonstruiert Manchot das für die Fernsehberichterstattung charakteristische Bild der zumeist übermenschlich wirkenden Skispringer. Die Kamera beobachtet die jungen Männer am Tag des Wettspringens, die sich im Warteraum auf den entscheidenden Sprung vorbereiten. Großaufnahmen ihrer Gesichter offenbaren neben der Konzentration und Fokussierung auf den Sieg die Anspannung und Nervosität vor dem Moment des Sprungs. Im Unterschied zu den Fernsehbildern verweigert Manchot jedoch die Auflösung – den befreienden Moment der gelungenen Landung –, indem sie die typischen Flugbilder der Imagination des Zuschauers überlässt. Nur eine akustische Referenz – das zischende Gleiten über die Schanze – vermittelt einen Eindruck des entscheidenden Moments, des Absprungs, in dem sich alle Spannung löst.

 

Agnieszka Smyrek

Melanie Manchot