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Erik Levine [Videonale.13, 16]

* 1960 in Los Angeles USA, lebt in New York USA

 

Ausstellungen [Auswahl]

 

2012 Object Image, Tampa Museum of Art, Tampa USA [S]

2011 videonale 13, Bonn GER

2010 Museum of Contemporary Art, San Diego USA [S]

        14th Annual ASU Art Museum Short Film And Video Festival, Arizona State University Art  

        Museum, Tempe USA

2009 Vortexhibition Polyphonica, Henry Art Gallery, Seattle USA

2008 Altered Geometry: Contemporary Sculpture from MMoCA’s Collection, Madison Museum of   

        Contemporary Art, Madison USA

2007 Space Other, Boston USA [S]

        Finding Form, Atlanta Contemporary Art Center, Atlanta USA


www.eriklevine.com

 

Erik Levine [Videonale.13] x

Cocker, 2010, 16:20, Ton, Farbe [Videonale.13]

Es sind Zeichen und Rituale der Männlichkeit, die Erik Levine in seinen Arbeiten zu verdichten sucht. Besonders explizit verkörpert findet er diese im Sport. Während er in früheren Arbeiten vorrangig den Habitus gängiger Mannschaftssportarten analysierte, widmet er sich in Cocker dem Sport des Hahnenkampfes. Levine führt uns ein in ein urtümliches maskulines Spiel um Leben und Tod, um Kraft, Stolz und Würde, gespielt von Männern, die ihre Kämpfer anfeuern, als ginge es um ihr eigenes Leben. Vielerorts verboten, wird der Hahnenkampf in einigen Ländern – wie in Puerto Rico, wo die Aufnahmen zu Cocker entstanden – weiter praktiziert und blickt auf eine lange Tradition zurück. Levine hat über viele Wochen verschiedene galleras, in denen die Hähne herangezogen werden, besucht. Dabei hat er nicht allein das Treiben um den Kampf selbst, sondern vielmehr die Männer, ihr Verhältnis zu ihren Tieren und die Rituale, die sich um deren Aufzucht und Vorbereitung auf die Kämpfe entfalten, festgehalten. Reduziert auf Bilder einzelner Gesten, zeichnet er eindrücklich die innige Beziehung zwischen Mann und Tier nach. Levines Bilder dokumentieren nicht und beziehen keine Position, sondern entwickeln zwischen Nähe und Distanz ihre ganz eigene Poetik, die nicht nur die Faszination, sondern am Ende auch das Befremden vermittelt, das uns beim Blick auf diese oft archaisch anmutende Welt überkommt.

Tasja Langenbach

 

Erik Levine [Videonale.16] x

Still Lifes, 2016, 27:40 Min., Farbe, Ton [Videonale.16]

Zu verschwommenen Bildern ist ein Lied in einer lateinamerikanischen Sprache zu hören. Es ist ein Gefühl der Entrückung, das uns zu Beginn von Erik Levines Film Still Lifes überkommt. Als schärften sich unsere Sinne erst langsam nach einem tiefen Schlaf, sehen wir schemenhaft Personen, die einen Gang durchqueren. Kurz innehalten, dann lädt der Künstler uns völlig ohne Worte ein, seine ›Stillleben‹ zu betrachten. In die Perspektive von neugierigen Betrachter*innen versetzt, wandeln wir durch ein Seniorenheim in Argentinien und lernen dessen Bewohner*innen kennen. Manchmal sind wir den Protagonist*innen fast so nah, dass wir uns genieren hinzusehen. Nicht zuletzt, weil der Künstler uns dadurch auch mit unserer eigenen Vergänglichkeit konfrontiert. Die Kamera lenkt unseren Blick zu Beginn geradewegs auf das altersfleckige Antlitz einer schlafenden Dame, das noch einen Hauch Schminke trägt. Jene Nähe, die zunächst fast schamlos anmutet, verbindet uns nach und nach immer enger mit den Protagonist*innen des Films. So betrachten wir voller Mitgefühl die alte Dame, die minutenlang versucht, eine verschlossene Tür zu öffnen. Diese Szenen des Alltags, umschlossen von Klangteppichen, die sowohl sphärisch, als auch vertraut klingen, werden rhythmisch von redundanten Sequenzen abgelöst, in denen wir die Senior*innen beim Fernsehen beobachten. Die Personen sind hier in Traumsequenzen porträtiert. Jene surrealen Szenen schaffen einen völlig neuen Kontext, einen Mikrokosmos der Erinnerung an eine vergangene Zeit. Levine vermag es, mit Still Lifes nicht nur den Prozess der menschlichen Alterung einfühlsam und ästhetisch abzubilden, sondern schafft auch ein klanglich und bildlich hochgradig durchkomponiertes filmisches Kunstwerk, das einem klassischen Musikstück gleicht.

Milena Rosa Vasovic

Erik Levine