Der Aufbau des Videoarchivs wurde unterstützt vom

Kontakt

Videonale e.V. Tel. +49 (0)228 77 62 21
im Kunstmuseum Bonn Tel. +49 (0)228 69 28 18
Friedrich-Ebert-Allee 2 Fax +49 (0)228 90 85 817
53113 Bonn  

Mischa Kuball

*1959 in Düsseldorf GER, lebt in Düsseldorf GER
Studium an der FH Düsseldorf GER und der Freien Universität Berlin GER

 

Ausstellungen [Auswahl]:

 

2012 Printemps de Septembre à Toulouse FRA
         six-pack-six, Kunstverein Lippe Schloss Detmold GER [S]

2011 Platon's Mirror, MNK/ZKM Karlsruhe GER [S]

2010 Passage Public, passage de l’Amphithéâtre, Centre Pompidou-Metz FRA

         Entrée publique, passerelle gare / parvis du Centre Pompidou-Metz FRA

2009 Blickmaschinen’, Museum für Gegenwartskunst Siegen GER

2008 LightShadowComplex, Museum of Contemporary Art, Pori FIN [S]
         CityPortrait' Contemporary Art Museum, Toyota JPN [S]

2007 ReMix/Broca II [Letters/Numbers], ZKM Museum für Neue Kunst, Karlsruhe GER [S]

 

http://www.mischakuball.com/

 

Mischa Kuball [Videonale.10] x

Stage II, 2004, 18:00 min, Farbe, Ton [Videonale.10]

Lichtkegel tanzen, augenscheinlich einem Rhythmus folgend, an einem Bühnenhimmel. Die diversen Scheinwerfer an den Traversen schweifen ins Publikum und tauchen die Bühnenrückwand in ein atmosphärisches Farbspiel. Der schmale horizontale Bildaus-schnitt von Stage II zeigt nur die Decke einer bespielten Konzertbühne. Das eigentliche Ereignis wird ausgeblendet wie auch der Ton. Der Betrachter ist irritiert, ihm werden wichtige Informationen vorenthalten. Allmählich beginnt man die Lichtsignale zu beobachten, sich auf den "Bühnenbildrand" zu konzentrieren: Völlig entkoppelt vom eigentlichen Bühnengeschehen schaut man dem Lichtballett zu. Das stille Bild erzeugt auf einer weiteren Ebene eine räumliche Distanz zwischen Ereignis und Betrachter, die durch die schwarzen Sichtblenden noch unterstützt wird. Die Arbeit Stage II verführt mit ihrer Lautlosigkeit. Der Betrachter wird vom Blick auf das ferne Lichtspiel zum längeren Hinschauen verleitet und in eine kontemplative Stimmung versetzt. Stage II hat eine hypnotisierende, entrückende Wirkung, seine gezeigte Beiläufigkeit eine große Kraft.

Katja Heckes

 

Mischa Kuball [Videonale.11] x

Heimkino [Amateurfilm], 1968/2006, 8:05 min, Farbe, Ton [Videonale.11]

Ein Amateurfilm aus den späten 1960er Jahren zeigt Urlaubsimpressionen. Ob es die einheimischen Hunde, die mediterrane Landschaft oder fröhliche Menschen bei ihren Freizeitbeschäftigungen sind: Alles, was gerade verfügbar war, wurde mit der Super 8 Kamera aufgenommen. Die Bilder scheinen keiner Regie zu folgen, ihre Auswahl mutet rein zufällig an und gehorcht auch keiner im klassischen Sinne narrativen Struktur. Mischa Kuball reflektiert hier den populären Versuch, unwiederbringliche Erlebnisse zu konservieren, um sie später im Heimkino [Amateurfilm] wieder aufleben zu lassen. Doch der Versuch, Erinnerungen technisch abrufbar zu machen ist per se zum Scheitern verurteilt: Die Vergangenheit lässt sich auch mit den Mitteln der Heimkinematografie nicht wiederbeleben. Durch die Wiederholung der Bilder im Loop wird dieses Unterfangen ad absurdum geführt. Wie ein Schleier des Vergessens legt sich in Kuballs Video ein schwarzer Schatten vor die privaten Filmaufnahmen. Er gehört der Kamera, deren Präsenz die zeitliche wie persönliche Distanz des Betrachters zu den gezeigten Bildern auch räumlich vor Augen führt. Heimkino [Amateurfilm] thematisiert die technischen Prozesse von Aufnahme und Wiedergabe. Das Abfilmen als künstlerischer Akt schafft eine Metaebene und bietet eine komplexe Reflexion über das Medium Film.

Cécile Zachlod

 

Mischa Kuball [Videonale.12] x

Platon's Mirror, 2008, 20:52 min, ohne Ton, Farbe [Videonale.12]

Mischa Kuball hält uns in seiner Arbeit Platon´s Mirror das Höhlengleichnis Platons vor Augen. Dabei dient ihm eine aufgespannte Folie als Projektionsfläche. Der frontale Lichteinfall wird über diese bewegliche Oberfläche reflektiert und es entstehen amorphe Flächen, strukturiert durch den Faltenwurf. Assoziationen an eine Landschaft werden unter anderem durch die Horizontlinie geweckt. Der strahlenförmige Faltenwurf im oberen Drittel lässt das Bild einer Sonne entstehen, die in Platons Gleichnissen für "das Gute" steht. Wie in Platons Höhlengleichnis sind Abbilder vorbeiziehender menschlicher Figuren als Reflexionen wahrnehmbar. Dabei entstehen, vergehen und wandeln sich teils farbige Flächen, Konturen und Formen in unterschiedlichen Rhythmen auf einer Fläche, deren Geschlossenheit in drei kleinen Partien links gebrochen wird. Das Projizierte ist nicht greifbar. Das Darstellende lässt sich nicht auf etwas Dargestelltes beziehen, die Schattenspiele bieten keine eindeutig festlegbare Interpretationsmöglichkeit. Gezeigt werden Abbilder der Wirklichkeit, Spiegelungen - wie schon im Titel angedeutet. Diese finden bezeichnenderweise über das reflexive Medium des Videos statt. Im doppelten Sinn also parodiert Kuball Wahrnehmungstheorien des 20. Jahrhunderts, die ihren Ursprung im Dualismus der Antike haben. Eine dialektisch-visuelle Demonstration von Medienkritik, Rezeptionsästhetik und medialer Pseudorealität.

Pia Damm

Mischa Kuball