Der Aufbau des Videoarchivs wurde unterstützt vom

Kontakt

Videonale e.V. Tel. +49 (0)228 77 62 21
im Kunstmuseum Bonn Tel. +49 (0)228 69 28 18
Friedrich-Ebert-Allee 2 Fax +49 (0)228 90 85 817
53113 Bonn  

Nick Jordan

*1967 lebt und arbeitet in Manchester GBR
Studium an der Manchester Metropolitan University GBR an der Nottingham Trent University GBR und am West Sussex College of Art GBR

 

Ausstellungen [Auswahl]:

 

2012 Zaragoza Environmental Film Festival, Saragossa ESP
         Offsite, Glynn Vivian Art Gallery, Swansea GBR

2011 The London Underground Film Session, The Horse Hospital, London GBR
         Mohegan Lake Film Festival, New York, USA

2010 Jacob Cartwright & Nick Jordan Retrospective, Cinephilia, London Short Film Festival, London GBR [S]

         A Secret Understanding, Balaklava Odyssey 2010, Crimea UKR

2009 Documenta Madrid, Academia de Cine, Madrid ESP

         Cannes Short Film Corner, Festival de Cannes FRA

2008 West Point and New Madrid, Bird Gallery, Manchester Museum, Manchester GBR [S]

         Director's Lounge, Filmtheater Scala, Berlin (C&J)

 

www.nickjordan.info

 

Nick Jordan [Videonale.10] x

Fury, 2003, 5:00 min, Ton, Farbe [Videonale.10]

Ansichten einer französischen Dorfkulisse bilden den Auftakt und leiten über zu einem Innenraum mit einer am geöffneten Fenster sitzenden Frau. Dieser klassisch komponierte "Blick aus dem Fenster" wechselt mit Nahaufnahmen von Fliegen, die sich zwischen Küchenutensilien auf dem Tisch tummeln. Ihre restlichen Artgenossen kleben bereits tot am Fliegenfänger. Aus nächster Nähe zeigt die Kamera den Überlebenskampf der letzten zuckenden Fliegen, deren übergroße Abbildung sowohl Ekel als auch eine Anziehung erzeugt. Beides Effekte der ruhigen, kontemplativen Bilder. Die Close-ups verraten auch mehr über den scheinbar unpassenden Titel: Fury ist schlichtweg die Marke der Insektenfalle. Alltägliches ist Ausgangspunkt und Inhalt der Arbeit. Effekt der formalen Umsetzung ist die Ästhetisierung des Alltagsszenarios sowie des Abstoßenden, Morbiden. Fliegenleichen und die schlafende Frau wecken Assoziationen an Tod, die sich durch ikonografische Versatzstücke wie dem Früchtekorb als Stillleben und Vanitasmotiv weiterspinnen lassen. Zu den kinematografischen Bezügen zählt die visuelle "Zerlegung" des Bewegungsbildes in eine Folge von Einzelbildern: "Die Unbewegtheit des Kinos in 24 Bildern pro Sekunde", so der Künstler in Anlehnung an Godards Ausspruch: "Kino ist Wahrheit, 24 mal pro Sekunde".

Stefanie Zobel

 

Nick Jordan [Videonale.11] x

let the user speak next, 2006, 10:00 min., Ton, Farbe [Videonale.11]

In Let the user speak next nimmt Nick Jordan den Betrachter mit auf seine Erkundung eines ganz besonderen Ortes: des Dominikanerklosters La Tourette bei Lyon. Der Titel rekurriert auf ein Buch des Architekten Le Corbusier, der den modernistischen Bau nach seinem System des "Modulor" entworfen hat. In Modulor 2 [La parole est aux usagers, 1955] erläutert Le Corbusier die Anwendung dieser seiner auf Anthropometrie und dem Goldenen Schnitt basierenden Proportionslehre, mit der er der Architektur ein menschliches Maß und zugleich eineobjektive Ordnung geben wollte. Kühl, hermetisch und menschenleer präsentiert sich indes der kubische Bau in Jordans Bildern, in denen zunächst einzig die schmalen Fensterscharten sowie kleine Löcher in den nackten Betonwänden eine Verbindung mit dem Inneren zulassen. Aus diesem dringt ein anziehendes Rauschen, das sich zunehmend in die Stimmen der Vögel mischt, die sich vor den Klostermauern auf einem Baum scharen. Die Außenwelt zeigt sich sodann aus der Innensicht in umso intensiveren Farben: Das Blau des Himmels, vor dem die roten Blüten der Bäume aufleuchten, bildet einen starken Kontrast zu dem fahlen Grau des Betons, der nur an vereinzelten, primärfarben gestalteten Luken in einem warmen Licht erscheint. Nick Jordan dokumentiert die spannende Begegnung mit einer Ikone der modernen Architektur, die wie ein Solitär in der sie umgebenden Natur und doch im harmonischen Einklang mit dieser steht.

Tina Rehn

Nick Jordan