Der Aufbau des Videoarchivs wurde unterstützt vom

Kontakt

Videonale e.V. Tel. +49 (0)228 77 62 21
im Kunstmuseum Bonn Tel. +49 (0)228 69 28 18
Friedrich-Ebert-Allee 2 Fax +49 (0)228 90 85 817
53113 Bonn  

Kerstin Honeit [Videonale.15]

* 1977 in Berlin GER, lebt und arbeitet in Berlin GER
Studium an der Kunsthochschule Berlin Weißensee GER

  

Ausstellungen [Auswahl]:

 

2016 A Game between I and Me, balzer projects, Basel CH [S]
         Projections, Art Rotterdam, Rotterdam NED
         Knock-Knock, Lovey Town, USA
         1.-3. Person singular / plural, Kunstverein Leipzig, Leipzig GER
2015 Monitoring, Kasseler Dokumentarfilm und Video Fest, Kassel GER
          History is a Warm Gun, n.b.k., Berlin GER
          Talking Business, cubus-m, Berlin GER [S]
2014 inheritance / act_out, gls Projekt, Berlin GER
         Squatting, Nassauische Kunstverein, Wiesbaden GER
         Motives? That's an ugly implication, Sonntag, Berlin GER [S]

 

http://kerstinhoneit.com/

 

Kerstin Honeit [Videonale.15] x

Pigs in Progress, 2013, 12:17 (5:38) min., Ton, Farbe [Videonale.15]

Ich komme aus Berlin. Lange Zeit habe ich in der Hauptstadt gelebt, doch jetzt soll ich ausziehen, weg an den Stadtrand, denn mein Wohnplatz ist begehrt. Wie viele Andere hier muss ich die City verlassen, um den gewinnbringenden Wohnraum für wohlhabende Mieter und Käufer frei zu machen. Nun wohne ich am Stadtrand. Doch der Rand des Grunewalds ist nicht mein Zuhause. Seit ich das erste Mal ein Wildschwein von Nachbars Garten auf mich habe zurennen sehen, bin ich völlig aufgewühlt und fühle mich nichtsicher.

Ich bin Michael und hatte 1996 angefangen die Wildschweine im Berliner Grunewald zu füttern. Es war quasi mein Hobby. Nächtlich habe ich Futter an bestimmten Stellen im Wald ausgelegt – mittlerweile waren die Tiere schon fast handzahm – bis mir das Gesetz im Nacken saß. Ja ich weiß, es ist eigentlich verboten. Die Anwohner sind sauer, dabei haben sie sicher genug Geld, um ihr Grundstück durch einen Zaun zu schützen. Und ich bin auch längst nicht mehr der einzige Wildschweinfütterer hier. Dafür hab ick ganz eenfach keene Worte.

Das Phänomen der entstehenden Berliner Suburbs. Zwei Welten treffen aufeinander, lassen Probleme entstehen. Es ist ein parodistisch aufbereiteter Kontrast des Meinungsspektrums der verängstigten Anwohner und des sich missverstanden fühlenden Wildschweinfreundes.
Michael wird durch eine Nachtsichtkamera interviewt. Eine Nacht-und-Nebel-Aktion. O-Töne der Bewohner werden von Kerstin Honeit in androgyner Kleidung durch eine Playbackperformance zwischen fressenden Wildschweinen mitten im winterlichen Wald wiedergegeben.

Ich bin ein Grunewalder Wildschwein. Ich habe keine Angst mehr vor Menschen und holemir mein Futter dort, wo es für mich erreichbar ist. Ich bin einfach nur hungrig.

Valerie Schmidt

Kerstin Honeit