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Geoffrey Garrison

*1978 in Atlanta, Georgia USA, lebt in Berlin GER
Studium an der Jan van Eyck Academie, Maastricht NED, am Cooper Union, New York USA und an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Städelschule, Frankfurt GER

 

Ausstellungen [Auswahl]:

 

2009 Videonale 12, Kunstmuseum Bonn GER

2008 The Gemini Show, Pampero Apartment Berlin GER
         Freunde und Bekannte, Sparwasser HQ, Berlin GER

2007 Videonale 11, Kunstmuseum Bonn GER
         Pimp My Walls, Apartment Stefan Schuster Berlin GER

 

www.geoffreygarrison.com

 

Geoffrey Garrison [Videonale.11] x

The Cut, 2005/2006, 20:00 min, Ton , Farbe [Videonale.11]

Grellrot geschminkte Lippen, auf die ein Frauengesicht reduziert ist, zeigen die Symptome einer Hysterikerin, wie sie der Wiener Arzt Joseph Breuer, ein Kollege Sigmund Freuds, Ende des 19. Jahrhunderts beschrieb. Dies ist die Eingangsszene von Geoffrey Garrisons Videoarbeit The Cut, die sich auf die populäre Film-Biographie Freud: The Secret Passion [1962] von John Huston bezieht. Sechs Sequenzen, die sich immer wieder überschneiden, thematisieren das Problem der Darstellbarkeit von Geschichte, wobei mit Hilfe der Fiktion Geschichtslücken geschlossen werden. Die Mehrfachbesetzung der Schauspieler kompliziert das Geflecht von Zitat und Erfindung - einzige Konstante ist dabei die Figur des Regisseurs John Huston. So diskutiert beispielsweise die Figur des Schauspielers Montgomery Clift, der in Hustons Film Sigmund Freud darstellt, mit der fiktiven Marilyn Monroe - seiner Filmpartnerin aus The Misfits [1961] - über Schlafprobleme. Die Figur des Regisseurs selber wird vom FBI nach ihrem Verhältnis zum Kommunismus befragt. In zahlreichen weiteren filmgeschichtlichen Verweisen wird nicht nur der Konflikt angesprochen, der mit der Erwartungshaltung von Produzent und Rezipient einhergeht, sondern auch ein skurriles Stück über die Entstehung eines Hollywoodfilms entworfen.

Johanna Zwanzig

 

Geoffrey Garrison [Videonale.12] x

An Infinite Night, 2008, 20:00 min, Ton, Farbe [Videonale.12]

Geoffrey Garrison inszeniert in seinem Video An Infinite Night das fiktive B-Movie Remake von Pier Paolo Pasolinis The Arabian Nights. Er verlagert die Geschichte aus 1001 Nacht in ein Science-Fiction-Szenario um eine dystopische Gesellschaft in den USA - also eine Gesellschaft, die sich zum Negativen entwickelt - doch existieren von diesem Film nur einzelne Szenen. Zu Beginn des Videos werden Fotografien der texanischen Chihuahua Wüste eingeblendet, die Garrison als Kulisse des Films dienen sollten. Begleitend diskutieren zwei Erzähler aus dem Off die Entstehungsgeschichte des Films, um in einzelne Szenen einzuleiten. Die vorher durch Bild, Musik und Dialog aufgebaute ästhetische Erwartungshaltung steht in Kontrast zu den nun minimalistischen Filmszenen, die jeweils in einem leeren Raum stattfinden und vor allem durch sozialkritische Dialoge und die Erlebnisse der Protagonisten gekennzeichnet sind. Die Handlung des Films wird zwischen den Szenen von den Erzählern ergänzt. Es erfolgt eine Trennung der einzelnen Elemente des Films, die vom Zuschauer zu einem imaginären Ganzen zusammengefügt werden müssen. Zusätzlich verschwimmen die Realitätsebenen, da Pasolinis Film aus unterschiedlichen Perspektiven sowohl von den Erzählern, durch das dargestellte Thema des Films im Video, als auch von den Protagonisten selbst reflektiert wird. Auf allen Ebenen bleibt die Aneignung der Vorlage präsent. Die Inszenierung der Geschichte durchbricht somit alle Limitationen, ob narrativ, visuell oder logisch. Sie wird zu einer unendlichen Erzählung. An Infinite Night.

Frederik Ohlms

Geoffrey Garrison