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Peter Freund [Videonale.13]

*1960 in USA, lebt in California, USA
Studium an der University of Buffalo USA, an der University of California at Berkeley USA, an der American University in Cairo, EGY und an der Cambridge University GBR 


Ausstellungen [Auswahl]:

 

2012 Trauma, Desire, Otherness, City University of Hong Kong CHN
         Cologne Experimental Documentary Film Festival, Köln GER

2011 Festival of (In)appropriation, Carsey-Wolf Center, Pollock Theater, UC Santa Barbara USA
         Antimatter Film Festival, Victoria BC, CAN

2010 Sazmanab Gallery, Tehran, IRI

2009 Les Rencontres Internationales, Berlin (on consultation):,Haus der Kulturen der Welt, Berlin GER

2008 Universidad de los Andes, Bogotá, COL

2007 Museo de Arte, Biblioteca Luis Ángel Arango, Bogotá COL
         Do Gallery, St Petersburg RUS

 

www.pfreund.com

 

Peter Freund [Videonale.13] x

Camp, 2010, 7:00 min, Ton, Farbe [Videonale.13]

Peter Freunds visuelle und literarische Collage kombiniert zwei konträre Bedeutungen des englischen Wortes „camp“. Ein „camp“ ist zum einen ein temporärer Aufenthaltsort für eine Gruppe von Menschen. Freund spitzt die Bedeutung zu, indem er Archivmaterial über KZ-Lager sowie Zitate einiger Philosophen, die die Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges kommentieren, benutzt. Die zweite Bedeutung des Wortes, das ästhetische Phänomen eines bewusst affektierten Verhaltens, taucht während des Video-Potpourris von Busby Berkeleys Film „The gang’s all here“ (1943) auf, das mit Zitaten von Oscar Wilde und Susan Sontag unterlegt ist. Den Inhalt dieser Zitate vermitteln drei Erzähler. Die erste Erzählerin fasst den Kern von Freunds intellektueller Erkundung in einer Frage zusammen: Wir wollen gegenüber den Nazi-Verbrechen nicht gleichgültig sein, aber wie ist es möglich, über eine Tragödie zu reden, die einem nicht selbst passiert ist? Unter diesem Aspekt ist die Inkongruenz von Freunds Collage nicht einfach nur als ein unerträglicher Missklang zwischen der Strenge des schwarz-weißen Materials aus Auschwitz und der überbordenden Farbigkeit der Tanzszenen in Berkeleys Film zu sehen. Vielleicht kann die zweite Bedeutung des Wortes „camp“ einen Ausweg bieten aus der Unmöglichkeit über Konzentrationslagererfahrungen adäquat sprechen zu können. Wenn man diese Erfahrungen als Melodram erzählen würde, könnte man dann durch Tränen und Lachen dieses kollektive Trauma besser verarbeiten? Oder geht das gar nicht?

Olena Chervonic

Peter Freund