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Mahdi Fleifel [Videonale.15, 17]

* in Dubai ARE lebt und arbeitet in London GBR
Studium an der British National Film and Television School, Beaconfield GBR

 

Ausstellungen [Auswahl]:

 

2014 Berlin International Film Festival, GER
         Miami International Film Festival, USA Cinema du Reel, Paris, FRA
         Busan International Short Film Festival, KOR
         Documentamadrid, ESP Houston Palestine Film Festival, USA
         Ismailia Int Film Festival for Docs and Shorts, EGY
         Sydney Film Festival, AUS
         Mediterranean Film Festival Split, CRO
         Sheffield Doc/Fest, GBR

 

Mahdi Fleifel [Videonale.15] x

Xenos, 2013, 12 min., Farbe, Ton [Videonale.15]

Krise trifft auf Krise, Flüchtlinge auf Rezession. Auf einer modernen Odyssee stranden Palästinenser in Athen. Ihre Irrfahrt hat sie aus einem Flüchtlingslager im Libanon über Syrien und die Türkei in das Griechenland der Eurokrise geführt − einen Hafen, der sich als nicht viel ruhiger als die See entpuppt. In XENOS zeigt Mahdi Fleifel, wie Krieg und Krise, Nahostkonflikt und wirtschaftliche Rezession konvergieren. Den Themen, die längst zum täglich wiederholten Standard in den Nachrichten geworden sind, gibt Fleifel ein Gesicht: Die Flucht vor Krieg und Gewalt endet an einem Ort, an dem sich nicht einmal der Diebstahl lohnt, dessen Bewohner selbst mit dem täglichen Überleben kämpfen und an dem Drogen der einzige Weg sind, den Alltag zu überstehen. Zwölf Minuten lang dokumentiert der Film Hoffnungslosigkeit, versehrte Seelen und Körper. Gegen die Gewöhnung an das Hintergrundrauschen von immer neuen Zuspitzungen und Tiefpunkten, die die Berichterstattung dominieren, setzt XENOS die Störgeräusche aufgezeichneter Telefongespräche und das Bildrauschen schummeriger Nachtaufnahmen − Zeugnisse des Alltags der Flüchtlinge. Das Scheitern eigener Träume, enttäuschte Wünsche der Familien, Drogensucht und Prostitution. Mit all dem kämpfen die Protagonisten – all dies ist in XENOS zu einem Dokument über das Aufeinandertreffen von Krisen zusammengefügt.

Jan Harms

 

Mahdi Fleifel x

I Signed The Petition, 2018, 10:30 Min., Farbe, Ton [VIDEONALE.17]

Zerrissen zwischen Zweifel und Überzeugung sucht ein Künstler mit palästinensischen Wurzeln Rat bei einem Vertrauten, nachdem er eine Petition unterzeichnet hat, die ein Konzert der britischen Band Radiohead in Israel boykottiert. Das Telefonat der Freunde handelt von der niederschmetternden Machtlosigkeit und der ironischen Absurdität, stetig Bestandteil eines Konflikts zu sein, der seit Jahrzehnten vorherrscht.
Parallel zum Dialog offenbart sich den Betrachtenden eine Szenerie, die zunächst eine geschützte, ruhige Atmosphäre dokumentiert: Warmes Licht fällt durch die Fenster, die die Sicht auf eine vertraute Wohnsiedlung zulassen. Gezeigt wird ein helles, sortiertes Heim, in dem sich Schreibtische und Arbeitsmaterial befinden. Diese ruhige, geordnete Umgebung steht in einem markanten Kontrast zu Bildern von verlassenen, düster anmutenden Gassen, privatem Filmmaterial von Demonstrationen und nebulösen, blassen Aufnahmen von Flüchtlingslagern und Siedlungen. Das Gezeigte bewegt sich konstant in einem Spannungsverhältnis zwischen Schutz und Verletzlichkeit: Alte und neue Heimat vermischen sich miteinander, Vergangenheit und Gegenwart werden gegenübergestellt und verschwimmen. Blicke aus dem Fenster lassen uns die Gedankenwelt einer Person nachvollziehen, die sich physisch in sicherer Umgebung, emotional dennoch inmitten eines Konflikts befindet. Die Zuschauer*innen fallen in die Position stiller Voyeure, und fast nebenbei entsteht das Gefühl, die Facetten des inneren Zerwürfnisses des Protagonisten nachempfinden zu können. Der beobachtende Blick fällt auf Fotos aus der Kindheit, auf Bücher und Recherchematerial. Sodann erscheint eine feminine Figur, die wie ein Schatten ihrer Umgebung zu sein scheint. Es wirkt beinahe so, als würde sie in die Dunkelheit abtauchen und schließlich ganz von ihr absorbiert werden.
Mahdi Fleifel setzt sich in seinem Schaffen mit der zerbrochenen Realität tausender Menschen auseinander, die mittelbar und unmittelbar Teil von Auseinandersetzungen in einer Region sind, die seit Dekaden nicht zur Ruhe kommen möchte. I Signed The Petition konfrontiert uns auf subtile Weise mit der Frage, ob eine einzelne Stimme angesichts von anhaltenden Ungerechtigkeiten schweigen oder sprechen sollte. Der Film ist sowohl die Skizze einer politisch konfliktgeladenen Situation als auch ein Eingeständnis starker persönlicher Überzeugungen und tiefsitzender Ängste. Nicht zuletzt demonstriert er Haltung und die damit verbundene Hoffnung auf Veränderungen. (Joana da Silva)

Mahdi Fleifel