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Lotte Merit Effinger [Videonale.16]

* 1985 in Berlin GER, lebt und arbeitet in Karlsruhe und Berlin GER
Studium an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe GER und an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam NED

 

Ausstellungen [Auswahl]:

2016 Berlin Art Prize, Kühlhaus, Berlin GER
         Monitoring, Kasseler Dokumentarfilm und -videofest, Kassel GER
         The Plug, I Would've Done Everything For You, London GBR
         Cairotronica, Ministry of Culture, Cairo EGY
2015 JUNGS, HIER KOMMT DER MASTERPLAN, Kunsthalle Basel SUI
         JONNY, Galerie Insitu GER

http://www.lottemeret.com/

 

Lotte Merit Effinger [Videonale.16] x

Surface Glaze, 2015, 07:50 [Ausschnitt: 1] Min. , Farbe, Ton [Videonale.16]

Nacheinander erscheinen Beine, Kniekehlen, Nacken, Münder, Hände und weitere menschliche Körperteile auf dem Screen und bilden eine surreale Körperlandschaft. Doch entgegen der Erwartung, dass die einzelnen Fragmente sich zu einem kohärenten Körperbild komplettieren, bleiben sie eigenartig abstrakt und wirken objekthaft. Nach einigen Momenten überfluten opake, zähfließende Flüssigkeiten die einzelnen Körpersektionen und umhüllen allmählich jede Oberfläche mit einem spiegelnden, befremdlich wirkenden Glanz. In Makroaufnahmen und extremer Zeitlupe offenbart sich den Betrachter*innen ein zweischneidiger Transformationsprozess: Die massigen Liquide, die an Nagellack und flüssiges Make-up erinnern, lassen zwar Falten, Rötungen, Körperhaare und Unreinheiten unter einer gleichmäßigen, glänzenden Oberfläche verschwinden, gleichzeitig werden aber auch alle weiteren individuellen Merkmale langsam und schleichend beschichtet und überdeckt. Vermeintlich schöne, ebene und brillante Flächen werden einer vernichtenden, bedrohlich anmutenden Ummantelung gegenübergestellt.Lotte Meret Effinger kreiert in Surface Glaze Bilder, die vordergründig an die Ästhetik kommerzieller Werbung anschließen. Auf subtile Weise jedoch macht sie auf die Ambivalenz und die Destruktivität einer Verbrauchergesellschaft aufmerksam, in welcher das Individuum sich stetig zwischen einer scheinbar emanzipierten Identität und der Beeinflussung durch gesellschaftliche und soziale Konsumverhältnisse wiederfindet. Die optische Optimierung aus Werbespots wird aufgegriffen und intensiviert, um schließlich kritisch hinterfragt zu werden. Der augenscheinlich schöne Glanz erscheint als eine alles überdeckende, klebrige Masse, die sogar in den Körper hinein dringt und diesen schlussendlich transformiert und ausfüllt.

Joana da Silva Düring

Die vollständige Arbeit kann bei der Künstlerin angefragt werden.

Lotte Merit Effinger