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Jan Dietvorst & Roy Villevoye

Jan Dietvorst

* 1953 in Bergen Op Zoom NED, lebt und arbeitet in Amsterdam NED

Studium an der Radboud Universiteit Nijmehen NED und der Gerrit Rietveld Academie Amsterdam NED

Roy Villevoye

* 1960 in Maastricht NED, lebt und arbeitet in Amsterdam NED

Studium an der Rijksakademie van beeldende kunsten in Amsterdam NED

Ausstellungen [Auswahl]:

Jan Dietvorst

2016 Jilhava Film Festival, Prague CEZ

         International Film Festival Rotterdam NED

2014 Stuttgarter Filmwinter, Stuttgart GER

         Festival du Court Métrage, Clermont-Ferrand FRA

Roy Villevoye

2016 Eró (Preparing the Memorial Carving for Omomà), Brummelkamp 

         gallery Amsterdam NED [S]

         Aichi Triennal 2016, Nagoya City JPN

         Lima Program, Internationale Kutzfilmtage Oberhausen GER

 

Jan Dietvorst & Roy Villevoye [Videonale.16] x

 

The Double, 2015, 21:19 Min., Farbe, Ton [Videnoale.16]

In dem Film The Double wird ausschnitthaft der Herstellungsprozess einer lebensgroßen Silikonskulptur gezeigt. Nach und nach werden den Betrachtenden durch eingespielte Stimmen aus dem Off immer mehr Details zu dem Mann vermittelt, der der Skulptur als Vorbild diente. Wir erfahren, dass es sich bei der dargestellten Figur um den Sozialarbeiter Vince handelt. Die Aufnahmen, die von der Präparierung der gegossenen Körperelemente im Rohzustand bis hin zur detaillierten Ausstaffierung des Mannes mit Bierglas und grünem T-Shirt führen, werden von weiteren Erzählungen zu Vince begleitet, so dass vor dem Auge der Betrachtenden eine plastische Vorstellung der Person entsteht. Die Betrachtenden meinen, Vince selbst zu kennen. Dieser Eindruck wird gewandelt, als sich herausstellt, dass die Sprecher nicht persönlich mit Vince bekannt sind. Wir werden vor die doppelte Konstruktion einer Person gestellt. Zum einen erleben wir die physische Konstruktion als Skulptur, die dem Mann zwar äußerlich gleicht, aber nicht die Erwartung auslöst, dass Mensch und Skulptur identisch sind. Zum anderen wird die Darstellung der Persönlichkeit ebenfalls nach und nach als Konstrukt entlarvt. So schleichen sich im Verlauf des Films zunehmend Zweifel darüber ein, ob es überhaupt möglich ist, einen Charakter über Bilder und Erzählungen Dritter zu fassen. Die zunächst vorausgesetzte Authentizität der Beschreibungen, die darauf verweist, wie schnell wir verleitet werden, Film und anderen Medien zu vertrauen, stellt sich ebenfalls als Konstrukt heraus. Das Werk wirft die Frage auf, wann und warum wir glauben, einen Menschen zu kennen und welche Hilfen Film und dokumentarische Medien hierbei bieten können. Statt Antworten vorzugeben, wollen Jan Dietvorst und Roy Villevoye vielmehr Fragen stellen. Es kommt den Betrachtenden zu, eigene Antworten zu finden.

Theresa Heußen

Jan Dietvorst & Roy Villevoye