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An van. Dienderen [Videonale.16]

* 1971 in Brasschaat BEL, lebt und arbeitet in Ghent BEL
Studium an der Royal Academy of Art in Antwerpen BEL und am University College Ghent in Ghent BEL

Ausstellungen [Auswahl]:

2016 The Morality Reflex, Contemporary Art Centre, Vilnius LIT
         SCCA Center for contemporary art Ljublijana SLO
         FID Marseille, Festival International du Cinéma, Marseille FRA
         International Film Festival Rotterdam NED
2015 Contour 7, Biennale Moving of Image, Mechelen BEL
         BFI London Film Festival GBR

http://www.anvandienderen.net
http://www.argosarts.org

 

An van. Dienderen [Videonale.16] x

Lili, 2015, 12:00 [Ausschnitt: 5:48] Min., Farbe, Ton [Videonale.16]

Welche Farben hat ein Film? Oder, wie der aus dem Off plaudernde, fiktive CEO von Kodak zu Beginn leicht aufgekratzt fragt: »Who is Lili?«

Schon zu Anfang von An van. Dienderens LILI wird der titelgebende Name in eine suggestive Nähe gerückt zu einem Verfahren, das sich über Jahrzehnte im Dunkel der individuellen Studiosituation abspielte. Um eine einheitliche Farbqualität sicherzustellen, wurde vor der regulären Produktion zur Einmessung der Kamera ein mit einer Farbtafel ausgestattetes ›China Girl‹ vor die Linse gesetzt – eine Anspielung darauf, dass ein Hautteint gefragt war, der ebenmäßig und vor allem weiß zu sein hatte wie chinesisches Porzellan.

Davon ausgehend wird, vorangetrieben von einem Kamerastil, der mit dem Duktus des Dokumentarischen spielt – verwackelte Einstellungen, hastige Zoombewegungen, Unschärfe –, nach und nach eingeführt in eine Studiosituation, in der solch ein ›China Girl‹ seinem Arbeitsalltag nachgeht: ganz Klischee – weiß, blond, blauäugig – sitzt, lächelt, posiert es für die Kamera, führt dann wieder schlichte Hilfstätigkeiten aus.

Suggeriert der Kommentar, es handele sich um jene Lili und ist es doch eine Schauspielerin, die besagtes Stereotyp verkörpert, wird durch diese Inszenierung des Authentischen nachvollzogen, dass ebenso das, was später im filmischen Resultat als natürlich erschien, zuallererst produziert werden musste. Nicht zuletzt brachte das beschriebene Verfahren einen schwerwiegenden Ausschluss mit sich. Die Praxis, einen weißen Hauttyp als Referenzpunkt zu setzen, hatte zur Folge, dass andere Hauttypen nur noch farblich verzerrt erschienen. So wird deutlich, wie mittels einer dem Film vorausgehenden Praxis Normativität erzeugt wird und in das vorgeblich Objektive technischer Darstellung das Ideologische sich ungesehen einprägt.

Sebastian Hammerschmidt

Die vollständige Arbeit kann bei der Künstlerin und beim Argos Centre for Art and Media angefragt werden.

An van. Dienderen