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Yao Cong [Videonale.16]

*1992, in Xi'an CHN, lebt und arbeitet in London GBR
Studium an der China Academy of Art, Hangzhou Shi CHN und am Royal College of Art in London GBR

Ausstellungen

2016 Pleasure in Progress, Espronceda art&culture centre, Barcelona ESP [S]
         Microwave International New Media Arts Festival, Hong Kong HKG
2015 Helsinki Festival Focus China-25x25 film showcase, Helsinki FIN
         Power of Education-11 Cases of Contemporary Art Education in China, Shanghai Himalayas Museum
         CHN
2014 Luo Zhongli Scholarship Exhibition, Chongqing Art Museum, Chongqing CHN

 

Yao Cong [Videonale.16] x

Under Blue, 2015, 06:38 Min., Farbe, Ton [Videonale.16]

Makroaufnahmen zeigen menschliche Körperteile, die schrittweise mit Puder geschminkt und mit Make-Up überdeckt werden. Der Prozess der ›Verschönerung‹ beginnt mit dem Kämmen von nassem, glattem Haar, dem intensiven Schminken von Augenliedern, Wimpern und den Augenbrauen. Anschließend werden Ober- und Unterlippe sorgfältig mit kräftiger roter Farbe ausgefüllt. Akribisch wird sukzessive ein Gesicht in Farbe getaucht und Schicht um Schicht verändert. Unvermittelt tritt daraufhin eine undefinierbare Textur in Form eines blauen Pulvers als neues Element auf. Ein besonders kontrastreiches Bild entsteht, als zunächst der Mund mit der bläulichen Substanz berieselt wird, bis keine rote Stelle mehr zu erkennen ist. Nachdem die Mundpartie vollständig von Blau überdeckt ist, erscheint ein weiteres Körperteil, das ebenfalls unter dem Puderregen begraben wird. Das gezeigte Motiv kann, auch aufgrund der extremen Nahaufnahmen, nicht auf den ersten Blick identifiziert und verortet werden. Erst im Verlauf der Arbeit stellt sich heraus, dass es sich bei dem Körperteil um ein männliches Glied handelt, welches sich allmählich zurückzieht und schließlich ganz unter der pudrigen Decke verschwindet.

Den Zuschauenden von Under Blue wird das Gefühl vermittelt, Teil eines intimen Transformationsprozesses zu sein. Zudem konfrontiert der Künstler das Publikum auf subtile Weise mit seinen eigenen stereotypen Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit. Ein durch den Schminkprozess suggeriertes, stereotypes Weiblichkeitsverständnis trifft auf die Darstellung eines männlichen Geschlechtsteils. Doch anstatt dem Impuls nachzugeben, das Gezeigte in Kategorien von ›feminin‹ beziehungsweise ›maskulin‹ einordnen zu wollen, sollten wir vielleicht versuchen, einen Körper einfach als einen Körper wahrzunehmen.

Joana da Silva Düring

Yao Cong [ Videonale.16 ]