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Ulu Braun

*1976 in Schongau, lebt in Berlin GER, und Helsinki FIN
Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen, Potsdam GER und der Universität für Angewandte Kunst, Wien AUT

 

Ausstellungen [Auswahl]:

 

2012 Photo L.A, Los Angeles USA

2011 Facing Portraits, C.Rockefeller Center for Contemp.Art, Dresden GER [S]

         Parks, Galerie Olaf Stüber, Berlin GER [S]

         The Return of the Losers, Kalmar Konstmuseum SWE

2010 Lands End, Shedhalle, Zürich CH

2009 VIDEORAMA, Kunsthalle Wien AUT

         ÜLÄ - a half utopian Broadcasting Company, Lönnström Art Museum, Rauma FIN [S]

2008 Ulu Braun, Brussels Flamingo, Contemporay art and New Media, Brüssel BEL [S]

         Trunk 2007 - special programm Färgfabriken, Stockholm SWE [S]

2006 4th International Media Art Biennale Seoul, Kit-Show, Kumho Museum of Art, Seoul KOR

 

http://ulubraun.com/

 

Ulu Braun [Videonale.10] x

Die Flutung von Viktoria, 2004, 25:00 min, Ton, Farbe [Videonale.10]

Mit einer bizarren Prozession feiern die Einwohner der Viktoria-Ebene ihre Umsiedlung, denn die Vorbereitungen für die Flutung des Gebietes laufen auf vollen Touren. Eine Gruppe von Touristen durchquert mit dem Reisebus ein letztes Mal die traumhafte Weltenlandschaft, in der antike Trümmer und futuristische Gewächshäuser vom Fortschrittsglauben der menschlichen Kultur zeugen. Da kommt es zu einem Autounfall, und die Reisegruppe sitzt plötzlich ohne Aussicht auf Rettung in der Wildnis fest. Der utopische Ort Viktoria wird zum Schauplatz eines surrealen Dramas, in dem archaische Motive und moderne Lebenswelten aufeinander treffen. Dieser Gegensatz zeigt sich auch bei den Protagonisten: während der weltgewandte Reiseleiter Henkel eine Tauchexpedition in die künftige Unterwasserwelt plant, sehnt der schwermütige Reisende im gelben Anzug das Wasser als eine mögliche Rückkehr zu den Ursprüngen herbei. Die Umsetzung als Puppenfilm entrückt das bedrückende Szenario in eine spielerische, märchenhafte Atmosphäre, die von den ausdrucksstarken Gesichtern und den real bewegten Figuren getragen wird.

Stefanie Stallschus

 

Ulu Braun [Videonale.11] x

Fish Soup, 2006, 10:00 min, Ton, Farbe [Videonale.11, mit Alexej Tchernyi]

Fish Soup entführt den Betrachter an unterschiedlichste Schauplätze eines italienischen Küstenortes und lädt ihn ein, das Treiben der Bewohner zu beobachten: Alltägliche und banale Situationen gehen einher mit skurrilen Konstellationen, deren sich allmählich herausbildender Konsens das sorglose Eingreifen des Menschen in die Umwelt ist. Die Erzählung kulminiert in einer Reihe gewaltiger Explosionen unter der Meeresoberfläche: Das verseuchte Wasser brodelt, Dampf steigt auf, tote Fische treiben umher. Doch bilden die folgenschweren Auswirkungen ihres Handelns  - die Zerstörung der Umwelt - für die Bewohner keinen Grund zur Besorgnis. Vielmehr nutzen sie die Katastrophe als Anlass, ausgelassen zu feiern und beginnen die eigens zubereitete Fischsuppe auszulöffeln. Das arglose Verhalten der Menschen wird mittels einer farbenfrohen, naiv wirkenden Bildsprache umgesetzt. Verschiedene Animationstechniken schmücken das Geschehen aus und überblenden es. Braun und Tchernyi liefern mit ihrer Arbeit nicht nur sozialkritische Denkanstöße. Darüber hinaus regen sie den Betrachter an, seinen eigenen Umgang mit der Umwelt zu reflektieren. 

Julia Kürten

 

Ulu Braun [Videonale.12] x

Rhabarber Boy, 2007, 14:53 Min, Ton, Farbe [Videonale.12]

Mit der Anfangssequenz des Films wird am Schauplatz die Geschichte umrissen: das zum Urwald geformte Rhabarberbeet, die Libellen und die Silhouetten der Flugsaurier am Himmel, dazwischen ein Junge, nackt bis auf einen ledernem Lendenschurz, beim Zerteilen von Wild. Fernab jeder Zivilisation, jagt der einsame Junge nicht nur für sich, sondern auch, um Tag für Tag die gierigen Flugsaurier ruhig zu stellen. Weitere Elemente der Erzählung sind eine goldene Zigarette und eine ausgerissene Comic-Collage, die er in seiner Behausung hütet. Als zentrale Motive scheinen sie dem Jungen Rätsel aufzugeben, die er zu entschlüsseln sucht. Eines Nachts entdeckt der Junge in einem Erdloch ein seltsames Trio aus Indianer, Superheldin und blauem Bär. Die anfängliche Freude über die Comicfiguren hält nicht lange an, da die Stimmung in der Grube immer bedrohlichere Züge annimmt: der Indianer verwandelt sich in einen heulenden Wolf, die Superheldin stößt Schreie gleich einer Kampfansage aus und das blaue Bärchen entdeckt seine Sexualität. Als die Gruppe gemeinsam Libellen jagt und auf brutale Weise tötet, muss der Junge in das Geschehen eingreifen. Er handelt und der paradiesische Urzustand der Anfangssequenz scheint wieder hergestellt zu sein. Doch die Verhältnisse haben sich grundlegend geändert. Die filmische Videoinstallation Ulu Brauns Rhabarber Boy ist eine Reflexion über kindliche Imagination und stellt die Frage nach der moralischen Verantwortung der Unterhaltungsindustrie.

Kristina Preis

Ulu Braun