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Shu Lea Cheang

* 1954 in Tainan, TPE
studierte an der National Taiwan University, TPE, und der New York University, USA

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Shu Lea Cheang

 

Shu Lea Cheang x

Wonders Wander, 2017, 60:00 Min. [Ausschnitt 01:16 Min.], Farbe, Ton [VIDEONALE.17]

»Octo-Senso Power Forever« – ein CGI-animierter, flie-gender Oktopus erscheint in jeder der vier Episoden von Wonders Wander und breitet schützend seine Tentakel über den Akteur*innen aus: Queere Migrant*innen, die von Flucht erzählen und selbstbewusst offene Grenzen fordern; funktional beeinträchtigte Menschen, die ihr Recht auf selbstbestimmte Sexualität verwirklichen; alternative Familienkonstellationen im Kampf gegen normative Reproduktionspolitiken und junge Trans*Personen, aus deren Alltag erzählt wird. Sie zählen auch in der queeren Szene zu den Randgruppen und erkämpfen sich in Science-Fiction-artigen Szenarien durch ihre Sprache, Körper und Aktionen Sichtbarkeit. Der Oktopus erscheint im Video als Inbegriff von Wandel und (Gender-)Fluidität.
Der Titel des Videos ist abgeleitet vom Madrider Stadtteil Malasaña, der den Beinamen »Maravillas« (dt.: »Wunder«) trägt und eine Keimzelle der subkulturellen Bewegung (»La Movida Madrileña«) in den 1980er Jahren war. Found-Footage-Bilder dieser besonders für die LGBTQ-Szene wichtigen Bewegung fungieren als Vorspann der vier Episoden. Ursprünglich als GPS-basierte Web-Serie für das Smartphone für die Madrid Pride 2017 konzipiert, verknüpft das Werk Schauplätze homo- und transphober Kriminalität in Madrid mit Bildern einer neuen, diversen queeren Szene, deren Charaktere eindringlich von Problemen und Diskriminierung, aber auch von Stärke, Solidarität und kollektivem Aktivismus erzählen.
Wonders Wander besticht durch seine kollektiven und partizipatorischen Strukturen: In der Produktion arbeitete Cheang eng mit einem Netzwerk lokaler Akteur*innen zusammen, die Rezeption erfolgte oft durch gemeinschaftliche Stadtspaziergänge und eröffnete Räume für Diskussionen und Aktionen. Durch die ortsspezifischen Produktions- und Rezeptionsbedingungen richten die vier Episoden den Blick dezidiert auf die LGBTQ-Szene und die Entwicklung ihrer Rechte in Madrid und Spanien; Cheang, die sich selbst als ›digitale Nomadin‹ versteht, zeichnet mitWonders Wander aber nicht nur ein Bild der dortigen Gegenwart nach. Vielmehr können die Themen, um die das Video kreist, global gedacht werden und sich von ihren originalen Schauplätzen lösen. Nicht zuletzt wird durch die ursprünglich webbasierte Präsentationsweise auch dem Internet als potentiellem Medium für Kommunikation und kollektive Prozesse sowie Ort zur Diskussion politischer und sozialer Fragen eine tragende Rolle zugesprochen. (Alexandra Südkamp)

*Die vollständige Arbeit kann bei der Künstlerin und bei der Video Data Bank angefragt werden.

Shu Lea Cheang